2011 September 07

Mit faserverstärkten Kunststoffen in die automobile Zukunft

Leichtbau in der Automobilindustrie befeuert die Entwicklung von neuen Verfahren zur wirtschaftlichen Herstellungen von faserverstärkten Struktur- und Außenhautbauteilen
Ein Interview mit Dieter Therolf, Dieffenbacher GmbH Maschinen- und Anlagenbau


Herr Therolf, Sie sind im Bereich Anlagentechnologie für Umformung kein unbeschriebenes Blatt. Wie schätzen Sie den aktuellen Markt für Anlagentechnik im Bereich Verarbeitung von faserverstärkten Kunststoffen ein?

Meine Expertise beschränkt sich auf das Feld der langfaserverstärkten Kunststoffe, insbesondere mit den Verarbeitungsverfahren SMC, LFT und RTM. Nach dem dramatischen Einbruch durch die Finanzkrise Ende 2008 und in 2009, insbesondere bei den Nutzfahrzeugen um bis zu 90 Prozent, ist inzwischen der Markt wieder auf dem Niveau von vor der Finanzkrise und zum Teil darüber angekommen. Dies führt zu einem wachsenden Bedarf an neuen Maschinen und Anlagen.

Jeder spricht von Leichtbau und Effizienz in der Automobilindustrie. Welche Trends erwarten Sie in der Zukunft?

Die aktuellen Bemühungen der Automobilindustrie, in den Fahrzeugen das Gewicht zu reduzieren, erhöhen die Chancen für den Einsatz von Bauteilen aus den Verarbeitungsverfahren SMC, LFT und RTM. Automobiler Leichtbau ist ohne verstärkten Einsatz von Kunststoffen nicht möglich. Neben Spritzgussteilen sind hier vor allem die Faserverbundkunststoffe zu nennen, die sowohl bei Strukturbauteilen als auch im Außenhautbereich zunehmend eingesetzt werden. Fußfassen werden die Werkstoffe zunächst bei Fahrzeugen kleiner bis mittlerer Stückzahlen. Ein weitergehender Einsatz bei größeren Stückzahlen ist von den Fortschritten der  Verfahrensentwicklungen, insbesondere der Ausbringleistungen und den Materialpreisen abhängig.

Wie weit sind Ihrer Meinung die Entwicklungen bei den Verarbeitungsverfahren von faserverstärkten Kunststoffen?

Neue Verfahren, zur Verarbeitung von kohlefaserverstärkten Kunststoffen (CFK), wie das Hochdruck RTM-Verfahren, stoßen auf großes Interesse seitens der Industrie. Es verspricht Bauteile mit absolut besten mechanischen Eigenschaften bei geringem Gewicht in Class-A-Qualität. Hier ist jedoch noch viel Entwicklungsarbeit im Prozess und in der Maschinen- und Anlagentechnik notwendig. Der LFT-Prozess im Direktverfahren ist dagegen bereits seit einigen Jahren etabliert. Bauteile, die mit diesem Verfahren produziert sind, erreichen durch den Erhalt von langen bzw. Endlosfaser oder in Kombination mit Gewebeeinlagen hervorragende mechanische Eigenschaften. Die Karosserie des ё-Autos unseres russischen Kunden wird zum Beispiel komplett aus einem solchen Verbundwerkstoff hergestellt werden. Jedoch steckt auch in diesem Verfahren noch Entwicklungspotential.

Welches Feedback bekommen Sie vom Markt hinsichtlich der Investitionsbereitschaft?

Aktuell  ist eine deutliche Investitionsbereitschaft spürbar. Im Bereich der Nutzfahrzeugindustrie werden Anlagen zur SMC-Verarbeitung nachgefragt, zunehmend auch komplett automatisiert. Die OEMs investieren in die Entwicklung und Produktion von ersten CFK-Anwendungen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Verfahren zur Herstellung von faserverstärkten Kunststoffbauteilen?

Wir tragen durch unser neues SMC-Direktverfahren dazu bei, dass der Werkstoff endlich durch seine hohe und konstante Qualität einen breiteren Raum für Anwendungen in PKW und Nutzfahrzeugen erhält und sich sogar ganz neue Anwendungen erschließt.  Die LFT-D-Technologie mit Endlosverstärkungen findet seinen Platz bei einer Vielzahl von Strukturanwendungen. In der CFK-Verarbeitung hilft unsere Anlagentechnik vom Schneiden, über das Preformen bis zum Pressen für wirtschaftliche Lösungen in Anwendungen bei mittleren Seriengrößen.

Zur Person

Dieter Therolf ist ein ausgewiesener Fachmann für die Verarbeitung von faserverstärkten Kunststoffen. Er war in leitenden Positionen bei den Firmen Hoesch, Schuler sowie Dieffenbacher tätig. Seit einem halben Jahr fungiert er als Berater der Dieffenbacher GmbH Maschinen- und Anlagenbau. Dieffenbacher sieht sich als Technologieführer bei den Verfahren zur Herstellung von faserverstärkten Kunststoffbauteilen. Das Unternehmen forciert die Entwicklung innovativer Prozess -und Anlagenkonzepte und wird dabei durch Kooperationspartner  aus Forschung und Industrie unterstützt.

 
Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Roger Kautz
Marketing und Kommunikation
Tel.+49 72 62 65-224
roger.kautz(at)dieffenbacher.de